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Presse

Giulia Zini mit dem 1. Preis des euward 2014 ausgezeichnet - euward-Ausstellung im Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See bis zum 1. März 2015

23.11.2014, München / Bernried
Zum sechsten Mal hat die Augustinum Stiftung am Samstag, 22. November, den euward, den Europäischen Kunstpreis für Malerei und Grafik von Künstlern im Kontext geistiger Behinderung, verliehen. Bis zum 1. März 2015 zeigt die euward-Ausstellung im Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See rund 180 Werke der drei diesjährigen Preisträger und der weiteren für den euward 2014 nominierten Künstlerinnen und Künstler.

Prof. Dr. Markus Rückert, Vorsitzender der Augustinum Stiftung, übergab die Preise an Giulia Zini (Reggio Emilia, Italien), Dimitri Pietquin (Haut-Ittre, Belgien) und Patrick Siegl (München). Daniel J. Schreiber, Mitglied der euward-Jury und Direktor des Buchheim Museum, erinnerte daran, dass heute anerkannte Maler wie Ernst Ludwig Kirchner oder Otto Mueller in ihrer Zeit "Outsider" gewesen seien, und begrüßte den euward mit Werken der sogenannten Outsider Art als Bereicherung der eigenen Sammlung von Expressionisten: "Die Grenzen zwischen Insider Art und Outsider Art sind seit jeher offen." euward-Schirmherr Edgar Selge betonte den europaweiten Rahmen des Preises, um den sich 2014 mehr als 300 Teilnehmer aus 17 europäischen Ländern beworben hatten, und rief dazu auf, mit dem politischen Projekt Europa auch das Projekt der Inklusion zu verwirklichen. "Inklusion will nicht den Blick auf das Besondere nivellieren. Mit dem euward ehren wir das Besondere", ergänzte der euward-Kurator Klaus Mecherlein.

King-Size-Kunst - 1. Preis: Giulia Zini

Die Haut ist das Organ, das uns mit der Außenwelt verbindet. Für die Haut nimmt sich Giulia Zini besonders viel Zeit. Akribisch kleidet die 18-jährige Italienerin ihre Geschöpfe in eine Hülle aus Zeichen, Geschichten und Labyrinthen, mit Bleistift, Ölkreide und Wachs. Giulia Zini ist Autistin. Leise, beinahe unsichtbar, gleitet sie durch den Alltag. Doch in dem Moment, in dem sie das Atelier betritt und einen Stift in der Hand hält, ist sie wie ausgewechselt, erzählt Luca Santiago Mora, Leiter des Atelier dell'Errore im italienischen Reggio Emilia.

Giulia Zini hat den unbändigen Drang zu zeichnen. Sie arbeitet auf Papier; auf glatten, kühlen, weißen Bahnen, die das Atelier für die junge Künstlerin auf meterlangen Rollen von Fotostudios bezieht. Denn eines Tages wuchsen ihre Tierwesen über die normalen Formate hinaus. Mit einem blauen Nashorn begann sich das Universum von Giulia Zini auszudehnen. Luca Santiago Mora erinnert sich: "Als der Kopf fertig war, der wie bei jeder Geburt zuerst heraus kam, war das übliche Zeichenblatt im Format 70 mal 100 cm bereits voll, und für den restlichen Körper fehlte der Platz. Da half auch kein gutes Zureden, wenn Giulia sich etwas in den Kopf gesetzt hat, verfolgt sie die Idee mit unnachgiebiger Hartnäckigkeit. Um die Malfläche zu vergrößern, klebten wir zuerst ein zweites, gleichgroßes Blatt an, später noch eins, um das mächtige Hinterteil aufzunehmen." Dies war auch die Geburt der "Königin des Ateliers", wie die Künstlerin wegen ihrer Vorliebe für King-Size-Formate seither genannt wird.

So manchem Künstler würde schwindelig im Angesicht einer leeren weißen Fläche von beinahe 3 Meter mal 3 Meter. Diese Berührungsängste überwindet Giulia Zini, indem sie sich zum Zeichnen auf die Malfläche legt. Haut an Haut, Körper an Körper zeichnen ihre Wesen sich ab und wachsen in der innigen Umarmung ihrer Schöpferin: Nashörner, Spinnen, Affen, Meerestiere und Fabelwesen wie das Kantoblepas, eine Art Büffel mit Schweinekopf - Riesen allesamt, von realer und künstlerischer Größe gleichermaßen.

Geheimcode - 2. Preis: Dimitri Pietquin

Dimitri Pietquin, geboren 1978 im belgischen Sambreville, arbeitet in La Maisonée in Haut-Ittre. Als der Einrichtung seine mit eigentümlichen Wörtern gefüllten Notizbücher auffielen, motivierte man den damals 21-Jährigen zu einem Besuch der Grafik-Werkstatt. Von da an entstanden Bilder, in denen Gegenstände in eine symbolische Schrift eingearbeitet sind: Autos, Flugzeuge, Schiffe, Felsen, Häuser, aber auch menschliche Figuren. Seine Bildergeschichten führt Dimitri Pietquin mit Bleistift, chinesischer Tusche, Pastellkreiden, Acryl oder Ölfarbe aus. Aus dem kryptischen Code lässt sich nur ein einziges Wort entschlüsseln: Dimitri. Alles andere bleibt das Geheimnis des Künstlers.

Verdichtungsraum - 3. Preis: Patrick Siegl

Während sich das Universum von Giulia Zini ausdehnt, verdichtet sich Patrick Siegls Welt nach innen. Geboren 1991 in München, arbeitet Patrick Siegel seit 2011 im atelier hpca im Münchner Norden. Aus tausenden, teils winzigen Details entwirft er monumentale Architekturen und archaische Landschaften mit Buntstiften und Fineliner. Sein großes Interesse für die asiatische Kultur zeigt sich in Tempeldächern mit Säulen, Wasserkaskaden, Buddhastatuen, Steinlaternen oder asiatischen Kriegern und wird durch die Farbwahl wie von traditionellen Shibori-Kimonos unterstrichen. Mit japanisch anmutender Akribie und Exaktheit baut Patrick Siegl seine Bilder auf, die er zuvor bis in kleinste Teilchen in seinem Kopf entworfen hat.

Der euward

Der euward wird seit 2000 durch die Augustinum Stiftung in München verliehen, um der aktuellen Produktion von Künstlern mit geistigen Behinderungen ein professionelles Forum zu bieten. Als Europäischer Kunstpreis für Malerei und Grafik im Kontext geistiger Behinderung hat der euward zum Ziel, das Werk dieser weithin noch unbekannten Außenseiter in seiner künstlerischen Qualität zu würdigen. Die Preisträger werden mit Geldpreisen und durch die Publikation eines Kataloges im Gesamtwert von 19.000 Euro gefördert. Schirmherr des euward 2014 ist der Schauspieler Edgar Selge, gefördert wird der Kunstpreis in diesem Jahr von der Aktion Mensch. Infos zum euward im Internet unter www.euward.de.



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Kontakt
Klaus Mecherlein
atelier hpca & euward Archiv
Hirschplanallee 2
85764 Oberschleißheim
Tel.: +49 89 315 81-161
Fax: +49 89 315 16 78 Klaus Mecherlein
Das Augustinum
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