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Sigrid Reingruber

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Reingruber ist eingebunden in das quasi therapeutische Setting einer Kunstgruppe, die die Hermetik ihres fast vollständigen Autismus auffängt. Diese Sicherheit einer betreuenden Gemeinschaft scheint die Künstlerin aber kaum zu tangieren. Die sich abschottenden Kreisformen in Ölpastellen, Grafit und Kohle auf quadratischem Grundformat sprechen von der Singularität ihrer Wahrnehmungswelt.
Die Form in diesen Bildern entsteht durch die vielfache und permanente Wiederholung eines einzigen Zeichens. Die kreisende Bewegung wiederholt und erneuert dieses Zeichen, das jeweils mit dem Zirkelschluss an seinen Ausgangspunkt zurück kehrt. Versucht man die innere Konstante dieser Formen zu ermitteln, ihre jeweiligen Unterschiede und Abweichungen auf eine Grundidee zu beziehen, ist man verführt, diese in der Prägnanz der Geometrie von Kreis, Dreieck und Geraden zu suchen, die eine begriffliche Orientierung versprechen.

Worin sich die repetitiv erzeugten Figurationen aber unterscheiden und sich ähneln, ist jeweils die zeichnerische Behandlung, welche die freibleibenden Innenräume erfahren. Die Kerne, die die zeichnerische Aktion erst geschaffen, sie aber auch freigehalten, ja, wie achtlos liegen gelassen hat. Diese Zentren der Figurationen - seien es die einfachen, eingeschlossenen, leeren Kerne, die durch dichte Umkreisungen entstanden sind, seien es ihre nochmals zusätzlich farbig markierten Innenzentren, seien es die manchmal vorsichtig angeschnittenen, oder marginal vom Stift nur gestreichelten Durchblicke im Inneren - in ihnen liegt ein gestalterischer Sinn, der buchstäblich das Zentrum dieser Bilder ausmacht: Die Zentren der Bilder zeigen die unberührbare, unbeschreibbare Mitte der Person, vor der die gestaltende Hand zurückgewichen ist. Vielmehr, sie zeigen sie gerade nicht, sie lassen sie aus. Wie um jedem fixierenden Eingriff des Stiftes auf das Innerste zu entgehen, sind sie unberührt liegen geblieben. Nun bilden sie eine Projektionsfläche, einen sich eröffnenden Raum.


Werk

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Transponiert Reingruber ihre Suche nach einer beschreibbaren, eingrenzbaren Identität in eine - darum - unendlichen Reihe von Bildern des immer gleichen Inhalts? Wer bin ich, was kann ich sein? Die Ausschließlichkeit dieser Frage, scheint den gesamten Horizont der Person zu besetzen. Sie bringt nur dies eine Bild hervor, dieses jedoch in Permanenz. Die Künstlerin operiert mit den anschaulichen Möglichkeiten, die das nur minimale Repertoire der Formen und Gesten ihr bietet. Das Bewusstsein einer inhaltlichen (semantischen) Dimension ihres Schaffens kann davon abgekoppelt sein - oder erst daraus folgen. Die Arbeiten fügen sich aber zugleich ein in den gewaltigen symbolischen Bedeutungsraum des Kreises, den die Kultur, die Überlieferung, die intuitive Verwendung, das Experiment, die künstlerische Revolte je aufgedeckt haben.
Video Preisverleihung 2007
Hier können Sie sich ein Video zur euward Preis- verleihung von 2007 anschauen. weiter
Kontakt
Klaus Mecherlein
atelier hpca & euward Archiv
Hirschplanallee 2
85764 Oberschleißheim
Tel.: +49 89 315 81-161
Fax: +49 89 315 16 78 Klaus Mecherlein